Melanchthon Gymnasium

Studienfahrt nach Rom (2012)

Am 22.Juli 2012 brach eine Gruppe von 43 Schülern mit ihren vier Lehrkräften auf, die Ewige Stadt zu erkunden bzw. sie zum wiederholten Male zu besuchen.
Mit dem Bus ging es zum Flughafen nach München, von wo uns die großzügige Lufthansa (Sekt für unser Geburtstagskind!) nach Rom brachte, wo bereits am Abend nach der Zimmerverteilung das offizielle Programm mit einem topographischen Spaziergang begann.
Auf den Spuren der Antike, der Renaissance und des Risorgimento gab es viel zu entdecken, unter anderem rückten die einstigen und heutigen Zentren der Macht in den Blickwinkel, der Quirinalpalast und der Petersdom. In den folgenden Tagen wurde in zwei Gruppen, die aber stets wieder zusammengeführt wurden, ein straffes Besichtigungsprogramm bei extremen Temperaturen durchgeführt. Eine Romfahrt ist eben nichts für „Weicheier“ und eine Kirchenphobie sollte auch keiner haben! (Wie viele wir besichtigt haben, weiß sicher keiner mehr genau.) Als Belohnung dafür, dass die Gruppe ein lobenswert hohes Maß an Disziplin gezeigt hat (von wenigen „Initiationsriten“ abgesehen) ging es am letzten Nachmittag ans Meer an einen naturbelassenen Strand, denn auch Spaß und Erholung sollten ja nicht zu kurz kommen.

 

Das darf nie wieder passieren!

Bericht über eine Exkursion der 9. Klassen in die KZ-Gedenkstätte in Dachau (2011)

Von Johanna Adam

Nach 2 Stunden Busfahrt freut man sich natürlich, wenn man wieder aussteigen darf. Man läuft herum, streckt sich, auch wenn irgendwo im Hinterkopf eine Stimme sagt: „Du bist in Dachau!“

Die Farben in Dachau sind genauso wie auf den Fotos: Grau. Alles in Dachau ist grau, abgesehen von den grünen Bäumen – an denen wurden allerdings Häftlinge zur Strafe mit auf den Rücken gebundenen Armen aufgehängt – und den Grünstreifen. Diese durften die Häftlinge unter Androhung der Todesstrafe nicht betreten und in der Regel kam es auch zum Vollzug. Mir wird auch ein bisschen mulmig, als die Lehrer uns voranhetzen und sagen, wir würden noch zu spät zu unserem Termin kommen. Ein kleines bisschen kann ich mir vorstellen, wie es einem als Häftling ergangen sein mag.

Unser erster Termin ist das Zeitzeugengespräch mit Max Mannheimer. Herr Mannheimer macht auf uns einen sehr guten ersten Eindruck für einen 91-jährigen. Er ist körperlich fit und hat auch „nur“ eine Halbglatze, aber ansonsten volles und längeres, schlohweißes Haar, das in alle Richtungen vom Kopf absteht. Er sieht sehr freundlich aus. Als er sich in die Mitte des kleinen Raumes setzt, in den sich vier 9. Klassen gequetscht haben, wird es schlagartig ruhig. Seine Geschichte ist genauso traurig wie die aller anderen aus dieser Zeit:

Er kam mit 23 Jahren ins KZ Buchenwald, blieb dort aber nicht lange und wurde nach Auschwitz weiter transportiert. Er erzählt vom Leben dort und zeigt uns seine tätowierte Häftlingsnummer. Er berichtet uns beispielsweise, dass er selbst Kartoffelschalen mit Lehm aß, um seinen Hunger zu stillen, so schlecht war die Versorgung mit Essen dort. Aber es gab auch schöne Erlebnisse: Er begegnete einmal einem Wachmann, der sagte er brülle immer so laut, weil er sich bei den Häftlingen so Respekt verdienen konnte, ohne sie niederzuschlagen.

Am Ende der Nazizeit überlebten nur sein Bruder und er selbst. Herr Mannheimers Ausführungen enthalten viele Jahreszahlen, er macht aber auch manchmal Sprünge in der Zeit und erzählt seine eigene Geschichte nur so zwischendurch.

Ich fand das Zeitzeugengespräch mit Herr Mannheimer sehr interessant. Es ist viel spannender, die Geschichte von jemandem erzählt zu bekommen, der all dies selbst erlebt hat. Ich finde es auch sehr gut, dass er überhaupt seine Geschichte erzählt, da es eine sehr schlimme Zeit für ihn war.

Danach gehen wir mit Herrn Kaiser in die „Baracke X“. In ihr befinden sich das neue Krematorium (das alte war zu klein), einige (große!) Räume einfach nur für Leichen, Kammern zum Desinfizieren der Häftlingskleider mit Zyklon B und eine der als Duschraum getarnten Gaskammern, die aus unbekannten Gründen jedoch nie benutzt wurde. Wenn man in dieser „Baracke X“ war, möchte man eigentlich nur noch weg.

Nach einer kurzen Pause gehen wir auf den Appell-Platz. Dort mussten die Häftlinge an jedem Morgen exakt zur selben Uhrzeit zum Apell antreten. Auch sonst musste alles exakt gemacht werden: z.B. mussten die Karo-Muster der Decken genau parallel zur Bettkante gelegt werden, sonst drohten Prügel. Alle Häftlinge mussten auch stundenlang auf dem Appell-Platz stehen, ohne sich zu bewegen, egal ob Wind, Sonne, Regen oder Eiseskälte herrschte.

Dachau war ein reines Männerlager. Aber dort wurden neben einfach nur jüdisch Gläubigen auch Verbrecher, wie Mörder und Diebe, und politische Schutzhäftlinge eingeliefert. Die prominentesten der politischen „Schutzhäftlinge“ wurden in kleinen, stockfinsteren und feuchten Zellen im „Bunker“ – einem flachen Gebäude, das auch die „Stehzellen“ enthält – eingesperrt.

Dachau war das erste Konzentrationslager und wurde unter der Leitung von Heinrich Himmler gebaut. Als erstes KZ diente es auch der Ausbildung von SS-Leuten und als „Vorzeige-objekt“, das in bestimmten Bereichen sogar, von z.B. BDM-Führerinnen, besichtigt werden konnte.

Das KZ war ziemlich gut gesichert. Zuerst gibt es den „Todesstreifen“, einen ca.2m breiten Streifen Gras, den Häftlinge nicht betreten durften. Wenn doch wurden sie sofort erschossen. Danach kommt ein Graben dessen jenseitiges Ufer mit Stacheldraht-Netzen überzogen ist, die genauso wie der folgende Stacheldraht-Zaun mit 380 Volt Spannung geladen waren. Die Mauer dahinter ist wohl eher Sichtschutz, damit niemand in das Lager hineinschauen kann.
Zwei der Baracken sind wieder aufgebaut, und beinhalten die nachgebauten Betten der Häftlinge aus drei Zeitabschnitten. Dachau wurde während der Naziherrschaft immer mehr gefüllt, was man auch an den Betten der Häftlinge sehen kann. Am Anfang hatte jeder noch sein eigenes, abgeteiltes Bett, später sollten schon mehrere zusammen in einem Abteil schlafen, und zum Schluss gab es praktisch keine Ein-teilungen mehr, nur noch mehrere große Flächen übereinander.

Nach den Baracken schauen wir uns mit den anderen neunten Klassen einen Film über das Lager an. Wie nach dem Besuch in der „Baracke X“ möchte ich nur noch weg, aber dieses Mal ist es viel schlimmer. Man kann einfach nur noch denken: Da wo ich gerade durchgelaufen bin, lagen Berge von Leichen. Man kann dieses Unwohlsein auch anderen Schülern deutlich ansehen. Nach dem Film setzen sich manche erst einmal draußen hin.

Ich denke mir, dass all die Denkmäler für Frieden und Achtung vor der menschlichen Würde, all die „Nie Wieder“ Mahnungen und Erinnerungen an all die Toten und Opfer des zweiten Weltkrieges auf der ganzen Welt nicht recht genug haben können, und dass es sehr wichtig ist, dass das allen Menschen klar wird: So was darf sich nicht wiederholen, NIE WIEDER!

Nach dem Film schauen wir uns noch den „Bunker“ und die Ausstellung dort an und fahren danach wieder nach Hause. Auch wenn manche nicht glücklich über den Ausflug sind, weil sie mit den Bildern nicht ganz klarkommen, oder es so lange gedauert hat; ich bin froh, dass man Dachau besichtigen kann und sich jeder, genauso wie wir, ein Bild darüber machen kann, wie schrecklich die Nazizeit war. Schließlich darf das nie mehr passieren!

Max Mannheimer im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen