Melanchthon Gymnasium

Hans Rosenfeld zu Gast im Melanchthon-Gymnasium

Zeitzeugengespräch

Von Johanna Adam

Zeitzeugengespräche sind schon cool! Vor allem, wenn Zeitzeugen so viel und gut erzählen können, wie Herr Rosenfeld. Hans Rosenfeld ist jetzt fast 85, lebt in New York und kommt 2mal im Jahr nach Deutschland, um Menschen seine Geschichte zu erzählen. Hans Rosenfeld ist einer der Juden, die die Nazizeit überlebt haben.


Er beginnt mit seiner Geschichte, und erzählt uns, dass nachdem Hitler 1933 an die Macht kam, sich – auch gegen die Familie Rosenfeld – erste Anzeichen von Judenfeindschaft zeigten: In der Schule wurde Hans schlecht behandelt: Er musste im Türrahmen stehen und wenn er sich setzen durfte, musste er allein sitzen. Auch die Familienfirma musste bald aufgegeben werden, weil Nazi-Parolen sie in den Ruin getrieben hatten.
Daraufhin entschloss sich die Familie Rosenfeld zum Umzug. Sie zog in eine größere Stadt, um unterzutauchen. Doch es klappte nicht: Nach zwei Tagen wusste ganz Neumarkt, dass sie Juden waren. Hans war zwar jetzt nicht mehr der einzige Jude in seiner Klasse, doch er und sein Mitschüler wurden jede Pause verprügelt. Sie durften sich nicht wehren oder zurückschlagen, weil ihre Eltern dafür verantwortlich gemacht worden wären. Es gab auch noch andere Beispiele für Judenfeindschaft.


Nach all diesen schlimmen Erfahrungen in Deutschland traf die Familie Rosenfeld den Entschluss, nach Argentinien auszuwandern. Die Einreiseerlaubnis verschaffte ihnen ein Onkel, der in Argentinien lebte. Auf der Abschiedsfeier für die Familie erklärten die Brüder des Vaters, dass sie in Deutschland bleiben würden. Sie überlebten trotzdem das Nazi-Regime.
Am 22.01.1937 ging die Familie an Bord des Schiffes, welches sie am 17.02.1937 in Argentinien verließ. Hans Rosenfeld wurde auf eine deutsche Schule geschickt, die nicht nationalsozialistisch orientiert war und wo er freundlich aufgenommen wurde. Seine Klassenkameraden halfen ihm mit der neuen Sprache und dem Schulstoff.
Er vermisste Deutschland nicht. Nach der Reichspogromnacht und dem Beginn des Krieges, begann er Deutschland zu fürchten und zu hassen. Mit den vielen Siegen Hitlers in den „Blitzkriegen“, wuchs auch seine Angst, Deutschland könnte gewinnen.
Als Deutschland Verluste gegen die Sowjetunion erfuhr, kam bei ihm Hoffnung auf, dass Deutschland den Krieg verlieren könnte. Herr Rosenfeld empfand nach wie vor Hass auf alle Deutschen.


Als Adolf Eichmann, einer der schlimmsten Verbrecher des Nazi-Regimes, in Argentinien auftauchte, war man sich dort zunächst nicht sicher, ob die Person wirklich Eichmann war. Hans half, ein Bierglas mit Eichmanns Fingerabdrücken nach Israel zu schicken, um die Identität dieser Person festzustellen. Die Beweisaufnahme klappte erst beim zweiten Mal, aber dann war klar, dass es sich tatsächlich um Eichmann handelte. Der israelische Geheimdienst schaffte Eichmann nach Israel. Dort wurde er schließlich zum Tode verurteilt.
Hans Rosenfeld und seine Frau waren mittlerweile nach New York gezogen. Mit seinem Hass auf die Deutschen stand er hier nicht alleine da.
Auf einer Schiffsreise nach Straßburg kam es zu einem Gespräch mit dem Kapitän. Auf die Frage, warum Hans Rosenfeld so gut deutsch sprach, erfuhr der Kapitän, dass Herr Rosenfeld ein aus Nazi-Deutschland geflohener Jude war. Der Kapitän schämte sich so sehr für seine Frage und entschuldigte sich tausendmal dafür. Dies berührte Hans Rosenfeld sehr und sein Deutschen-Hass begann von nun an abzunehmen.


Mittlerweile setzt sich Hans Rosenfeld engagiert dafür ein, dass der Hass abgebaut und dass Schüler in aller Welt wichtige Lehren aus der Geschichte ziehen. Hans Rosenfeld hat heute einen deutschen Freund, der früher sogar in der Hitlerjugend war. Außerdem hat er immer noch Kontakt zu Ernst Haas, seinem Mitschüler aus Neumarkt.

Nach dem langen Vortrag konnten wir Herrn Rosenfeld viele Fragen stellen. Er bestand sogar darauf!
Das Gespräch fand ich einfach faszinierend, weil Hans Rosenfeld überhaupt über diese schweren Erlebnisse spricht, und dabei klar macht, wie wichtig es ist, dass so etwas nicht mehr passiert. Er nimmt nicht nur den Krieg und die KZs als mahnendes Beispiel, sondern auch die kleinen Sünden des Alltags. Ich finde es auch sehr schön, dass er nach allem, was passiert ist, wieder einen deutschen Freund hat.

 

Kindheit und Jugend in der DDR

Ein Interview mit Frau Cornelia Hentschler

Von Katrin Weinzierl

Im Rahmen des Geschichtsunterrichtes erhielt jeder Schüler unserer Klasse die Aufgabe ein kleines Referat über ein geschichtliches Ereignis ab 1945 zu halten.
Elmar und mir fiel wohl die ungewöhnlichste Aufgabe zu, da wir ein Interview mit  unserer Bibliothekarin Frau Hentschler über ihr Leben in der DDR führen sollten. Zunächst mussten wir passende Fragen finden und auswählen und sie mit Frau Hentschler privat besprechen danach folgte das Interview vor der ganzen Klasse und Frau Switalski.


Zu Beginn befragten wir sie zum Alltag in der DDR und  hörten wirklich interessante Fakten wie die Aufwände, die betrieben werden mussten um Luxusgüter wie zum Beispiel ein Auto zu erwerben oder denn Alltag in der Schule der von täglicher Propaganda der meisten Lehrer begleitet wurde. Dann wandte sich das Gespräch dem Westen und dem Gedanken an Flucht zu, der jedoch von Frau Hentschler als nie in Betracht gezogen und viel zu gefährlich für  die meisten Leute bezeichnet wurde. Ebenfalls interessant war die Erklärung dass die Welt im Westen Deutschland heller und leuchtender war, nicht nur im übertragenen Sinn gemeint war sondern dass die Straßenlaternen in der DDR wirklich dunkler waren und es nicht viel Leuchtwerbung oder Ähnliches gab. Als kleiner Höhepunkt ist der Moment zu nennen, in dem Frau Hentschler ihren alten FDJ und Pionier Ausweis heraus gezogen und herumgehen ließ. Dies gab dem Ganzen eine persönliche Note und allen das Gefühl, dass in diesem Fall Geschichte nicht weit weg ist, sondern erst vor kurzer Zeit passiert ist.


Nochmal vielen Dank an Frau Hentschler, dass sie sich die Zeit genommen hat und unsere Fragen ernst und nachdenklich beantwortet hat. Wir haben viel gelernt. Insgesamt war die Stunde eine spannende vielseitige und interessante Erfahrung da man andernfalls nie so viel über das Leben und den Alltag in der DDR erfahren  hätte.