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Das Rhetorikseminar der Elisabeth-J.-Saal-Stiftung zur Förderung besonders tüchtiger Griechisch-Schüler - ein Bericht von Felice Pomerancev

Wie hält man eine gute Rede? Was kann man tun, um seine Schlagfertigkeit in Debatten zu trainieren? Wie verhindert man Lampenfieber? Und wie unterscheidet sich die Rhetorik der Antike von unserer modernen Rhetorik? All diese und noch viele weitere Fragen wurden im Laufe des Rhetorikseminars behandelt.

Auch im Schuljahr 2018/19 lud die Elisabeth-J.-Saal-Stiftung unter der Leitung von Dr. Wilhelm Pfaffel besonders begabte Schüler der bayerischen humanistischen Gymnasien, die sich durch gute Noten und schulisches Engagement auszeichnen, zu einem dreitägigen Rhetorikseminar zur weiteren Förderung nach Regenstauf (nahe Regensburg) ein.

Nachdem im Laufe des Vormittags alle Schüler in Regenstauf angekommen waren, begann gegen 14 Uhr direkt der erste Block: Unter der Leitung von Herrn Paul Herrmann, einem bewährten Rhetoriklehrer aus Reichenschwand, sollten die Teilnehmer die von ihnen im Voraus vorbereiteten Kurzvorträge zu eigens gewählten Themen vortragen. Diese wurden auf Video aufgezeichnet und anschließend analysiert, um jedem Schüler individuelle Verbesserungsvorschläge zu bieten. Anschließend wurden allgemeine Tipps & Tricks für das Halten von Reden oder Vorträgen sowie für die Struktur einer Rede zusammengetragen.

Nach dem Abendessen wurde das Thema „Lampenfieber“ in Angriff genommen. Zunächst wurden die Herkunft des Begriffs sowie die Ursachen für das den meisten Schülern bekannte Gefühl erläutert und anschließend eine Sammlung an Verhinderungsmaßnahmen erstellt. Auch Tipps für ein sicheres, selbstbewusstes, positives und überzeugendes Auftreten wurden gegeben.

Am nächsten Morgen ging es um 8.30 Uhr erneut mit moderner Rhetorik durch Herrn Herrmann weiter. Der Tag wurde mit Übungen für Schlagfertigkeit und Spontanreden eröffnet. Nach einer Theorieeinheit, in der insgesamt acht Methoden zur Formulierung einer spontanen Rede aufgezeigt wurden, sollten die Teilnehmer in einer praktischen Übung ohne jegliche Vorbereitungszeit eine 3-5-minütige Rede zu einem spontan zugeteilten Begriff halten, welche anschließend erneut per Videoanalyse besprochen wurde.

Der Nachmittag widmete sich der argumentativen Kurzrede beziehungsweise Debatte. Den Schülern wurden sowohl allgemeine Techniken zur möglichst effektiven Argumentation vermittelt als auch mögliche Strukturpläne zur Planung sowie letztendlichen Ausformulierung aufgezeigt. Zum Abschluss des offiziellen Programms an diesem Tag wurden die Teilnehmer in drei Diskussionsgruppen zu den Themenbereichen „Abtreibung“, „Frauenquote in DAX geführten Unternehmen“ und „Fridays for future“ eingeteilt und bekamen den Auftrag, sich bis zum nächsten Morgen in eine Pro und Contra Seite aufzuteilen und innerhalb der Gruppe Argumente zu sammeln. Dies führte dazu, dass sich alle Teilnehmer nach dem Abendessen in Kleingruppen zusammensetzten und bis zum späten Abend an ihren Argumenten feilten. Erst gegen knapp 22 Uhr endete die Arbeitsphase und mündete in einen gemeinsamen Spieleabend im Garten der Jugendherberge.

Der Sonntag begann mit dem fünften und letzten Block zur modernen Rhetorik mit Herrn Herrmann. Der Reihe nach wurden die drei Themenbereiche in etwa zehn-minütigen Diskussionsrunden durchgespielt und anschließend jeweils analysiert und nachbesprochen. Zudem wurde zu jeder Diskussionsrunde eine anschließende Abstimmung der Zuhörer durchgeführt, um herauszufinden, welche Seite überzeugender war. Zum Abschluss erhielten die Teilnehmer ein Skript zum Seminar.

Nach insgesamt ca. 19 Stunden zur modernen Rhetorik begann der zweite Teil des Seminars: Die antike Rhetorik. Professor Dr. Markus Janka, Professor für klassische Philologie aus München, gab den Teilnehmern in insgesamt ca. 4h eine Einführung in die Rhetorik der Antike und in die Denkweisen berühmter Redner und Autoren.

Zunächst wurde eine Zeittafel zu den wichtigsten Daten zur Geschichte der antiken Rhetorik zwischen 470 v. Chr. – 90 n. Chr. behandelt. Darauf wurde eine Übersicht zum schematischen Aufbau des Systems der damaligen Rhetorik gegeben. Nach diesem theoretischen Block zur allgemeinen antiken Rhetorik folgte nun die Arbeit an originalen Texten. Es wurden Ausschnitte aus griechischen Texten, z.B. aus Homers „Ilias“ und „Odyssee“, aus Gorgias´ „Lobrede auf Helena“, aus Lysias´ „De caede Eratosthenis“ und aus Platons „Phaidros“, sowohl inhaltlich als auch rhetorisch analysiert und die vorher zusammengetragenen Informationen angewandt. Auch der Redner Cicero wurde ausführlich behandelt.

Zum Abschluss des Seminars erhielten alle Teilnehmer ein Zertifikat der Elisabeth-J.-Saal-Stiftung.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der Rhetorikkurs für alle 16 Teilnehmer aus ganz Bayern ein äußerst lehrreiches und einmaliges Wochenende war, bei dem neue Erfahrungen gesammelt, viele hilfreiche Methoden für die „Redekunst“ gelernt und neue Freundschaften geknüpft worden sind.