Berichte / Aktuelles

/ / / Berichte / Aktuelles

Berichte / Aktuelles

"Warum wir Günter umbringen wollten" - Hermann Schulz liest

Autorenlesung am MGN für die Klasse 8 a und b

Es ist doch immer einiges, was man von so einer Autorenlesung mitnehmen kann. Zum Beispiel, dass die Autoren eigentlich ganz normale Menschen sind wie du und ich.

Hermann Schulz fiel eigentlich nicht sonderlich auf, als er unsere Box betrat; und er war auch nicht sonderlich laut oder groß, sondern eher leise und klein. Ein älterer Herr mit weißem Haar, weißem Bart und freundlichen Augen. Wir erfuhren, dass er drei erwachsene Kinder hat und heute in Wuppertal lebt, wo er lange einen Verlag leitete, bis er, im hohen Alter von ca. 60 Jahren merkte, dass er ganz viele Geschichten in seinem Kopf hat, die "raus wollen", und dass es tatsächlich Leute gibt, die diese Geschichten auch noch lesen wollen. So war Hermann Schulz zum Autor geworden und so war das erste Buch "Auf dem Strom" entstanden, das derzeit verfilmt wird.

 

Der Autor las aus dem Roman "Warum wir Günter umbringen wollten" vor und nahm uns Zuhörer damit weit in seine Kindheit zurück, die er nach dem Krieg bei Verwandten auf einem Bauernhof verbrachte: Günter, um den es im Roman unter anderem geht, ist ein Flüchtlingsjunge, der sich der Dorfjugend anschließen will. Doch da er irgendwie anders ist und irgendwie "nicht ganz richtig", treibt die Clique um Freddy, dem Ich-Erzähler, "kleine Schweinereien" mit Günter, der sich nicht wehrt und der alles über sich ergehen lässt. Aus Angst vor Strafe planen die jugendlichen Täter sodann in Einzelheiten den Mord an Günter, um zu verhindern, dass er die Namen seiner Peiniger doch noch verrät. Mit beklemmenden Gefühlen und hochkonzentriert lauschten wir Zuhörer den unerhörten und brutalen Gedanken dieser damaligen Jugendlichen.

Wie das Buch ausgeht, verriet uns der Autor nicht; dafür aber, dass es diesen Günter tatsächlich gab und dass er heute noch im Wendland lebt; und dass Hermann Schulz ihn bis heute nicht auf die "Sache von damals" angesprochen hat, um ihn im Nachhinein nicht zu beschämen.

 

Viele Einzelheiten zu Hermann Schulz erfuhren wir noch, besonders durch die Fragen, die die Klassen 8 a und b ihm stellten. Zuletzt signierte er noch die Bücher, die Schüler von ihm besaßen und dann brachte ihn ein ICE - trotz Bahnstreik  - gut nach Wuppertal zurück.

 

Sandra Galster