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Der Teppich von Bayeux

Von Elisabeth Adam

Am 10. Februar 2012 erschien auf Einladung der Fachschaften Geschichte, Englisch und Latein der historisch gewandete Erdinger Archäologe Dr. Michael Corsten am Melanchthon-Gymnasium, um über den 70m langen "Tapestry of Bayeux", der die Schlacht bei Hastings zwischen den Normannen und den Sachsen veranschaulicht, zu berichten. Zusammen mit seiner Kollegin Birgit Anzenberger hat er eine maßstabsgetreue Bildkopie des Teppichs angefertigt, um uns dessen Details und Ausmaße besser demonstrieren zu können. Fragt man nach den Gründen für diese Schlacht, so muss man wissen, dass William – der Normannenanführer und Sieger in diesem Kampf – von Edward dem Bekenner, dem damaligen König von England, zu dessen rechtmäßigen Nachfolger auf dem englischen Thron bestimmt worden war. Es gab jedoch noch einen zweiten Anwärter auf den Thron, Edwards Gardehauptmann Harold Godwinson. Gerade dieser wurde vom König ausgeschickt, um dem eigentlichen Thronerben William, der in der Normandie im Norden Frankreichs lebte, die Botschaft zu überbringen. Gesagt, getan. Hier beginnt nun die Bildergeschichte des Teppichs, und zwar damit, wie Harold nach Frankeich segelt, um William zu erzählen, dass er König der Sachsen, der damaligen Bewohner Englands, werden soll. Nach Überbringung der Botschaft wird Harold auf einen Feldzug gegen den rebellierenden Herzog Conan eingeladen. Er sagt zu, da er sich auf diese Weise gleich mit dem neuen König anfreunden kann. Als sie zusammen den Herzog angreifen, flieht Conan zunächst, muss sich aber bald ergeben, da William, Harold und deren Truppen ihn verfolgen. Dies kann man sehr schön auf dem Teppich sehen, auf dem dargestellt ist, wie Conan eine Lanze aus der belagerten Stadt, in die er geflohen ist, herausstreckt, an der die Schlüssel für die Stadttore hängen. Harold wird nun zum Vasallen Williams und schwört in seinem Vasalleneid auch, dass er sich nicht zum englischen König krönen lassen wird. Als aber Harold wieder nach England übersetzt, stirbt Edward. Diese Chance nutzend, lässt sich Harold zum englischen König krönen, was natürlich gegen seinen Vasalleneid verstößt. Sobald William davon erfährt, lässt er eine Schiffsflotte bauen, belädt die Schiffe und macht sich auf um das Land, das ja rechtmäßig ihm gehört, von dem wortbrüchigen Harold zurückzuerobern. Die Normannen und die Sachsen treffen am 14. Oktober 1066 in einer blutigen Schlacht nahe Hastings zusammen, an der sogar Williams Halbbruder, Bischof Odo von Bayeux teilnimmt. Da dieser als Geistlicher kein Blut vergießen darf, wird er mit einer Keule in der Hand dargestellt, denn die Kirchenmoral hat nichts gegen erschlagene Feinde auszusetzen. Und obwohl die Normannen zahlenmäßig leicht unterlegen sind, besiegen sie ihre Feinde, als Harold von einem Pfeil ins Auge getroffen wird und stirbt. Die nun führerlosen Sachsen fliehen.

Hier endet die Geschichte des Teppichs. Jedoch wird vermutet, dass ein Stück verloren gegangen ist und eigentlich noch die rechtmäßige Krönung Williams in Westminster Abbey dargestellt wurde. Auf jeden Fall ermöglicht der Teppich einzigartige, archäologische Erkenntnisse, da es aus dieser Zeit kaum schriftliche Aufzeichnungen gibt. Durch den Teppich kann man zum Beispiel auch viel über die Mode, die Waffen oder die Gewohnheiten der Menschen erfahren, was man anderweitig kaum in Erfahrung hätte bringen können. Diesen Teppich – Tapisserie de la Reine Mathilde, wie er auf französisch heißt – kann man noch heute in einem Museum in Bayeux besichtigen. Er besteht aus drei Teilen, der Mitte, in der die Geschichte dargestellt ist und außerdem noch aus einem oberen und unteren Vlies, auf dem Tiere, Fabelwesen aber auch getötete Menschen zu sehen sind.