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Ein Mädchen schreibt Geschichte

Vor über 70 Jahren bekommt das jüdische Mädchen Anne Frank zu ihrem 13. Geburtstag ein Tagebuch geschenkt. Im gleichen Jahr, 1942, berät man auf der Wannseekonferenz in Berlin über die Deportation und Ermordung der Juden aus Europa. Anne Frank schreibt ihr Leben zur Zeit des faschistischen Rassenwahns auf. Heute ist ihr Tagebuch das meist gelesene Buch über den Nationalsozialismus und Anne Frank zu einer Symbolfigur für den Völkermord an den Juden geworden.In der Wanderausstellung „Anne Frank – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ im Gemeinschaftshaus Langwasser wird in sechs Tafeln von Anne und ihrer Jugend als Jüdin im Dritten Reich erzählt.

Die Familie Frank war nach der Machtübernahme Hitlers und mit dem sich immer weiter steigernden Hass gegenüber der jüdischen Bevölkerung von Frankfurt nach Amsterdam geflohen. Nachdem 1940 auch die Niederlande kapitulierten, waren viele geflohene Juden, darunter auch die Familie Frank, gezwungen sich zu verstecken. Über zwei Jahre lebten sie mit vier anderen Juden auf engstem Raum in einem Versteck in einem Hinterhaus.

Nach einem Verrat 1944 werden sie jedoch von SS-Männern verhaftet und letztlich in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Anne, ihre Schwester Margot und die Mutter Edith überleben die Konzentrationslager nicht. Ihr Vater Otto Frank überlebt als Einziger und wird 1945 befreit.

Trotz des schrecklichen Schicksals der Familie Frank, sowie all derer, die im Holocaust ums Leben kamen, ist es nicht immer einfach, Jugendliche auch abseits der Schule für dieses wichtige Thema zu interessieren und zu sensibilisieren. Die Ausstellung versucht genau dies mit einer Kombination aus historischem Teil, der das Hintergrundwissen zum Nationalsozialismus sowie Annes Leben dokumentiert, zum anderen aus einem aktuellen Teil, welcher sich mit der Diskriminierung und mit Rassismus heute befasst. Das „Peer-Guide“-System, „Jugendliche führen Jugendliche“, ermöglicht es, dass sich Schüler anders als in der Schulsituation zwangloser über gegenwärtige Probleme austauschen und somit auch besser lernen können. Für uns als Ausstellungsführer war es eine großartige Erfahrung und Herausforderung mit den einzelnen Klassen zu arbeiten, zu kommunizieren und sie darüber hinaus für aktuelle politische Themen zu motivieren. In einem zweitägigen Aufbauseminar wurde uns am 20. und 21. Februar von „Anne-Frank-Botschaftern“ gezeigt, wie wir mit verschiedenen Situationen umgehen und auf die verschiedenen Klassen eingehen können. Nachdem wir vor der ersten Führung etwas nervös waren und leise Zweifel hatten, alleine vor 30 Jugendlichen oder gänzlichen öffentlichen Führungen zu bestehen, machte es von Führung zu Führung mehr Spaß. Nach vier oder fünf im Team geführten Gruppen wurden wir alle selbstsicherer und durch die Diskussionen mit den Klassen lernte man sich und andere Menschen besser kennen. Nicht nur die Ausstellung, sondern auch die Ausstellungseröffnung inklusive der Uraufführung der Kantate „Mein Name ist Anne“, begleitet durch Chor und Orchester der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, und auch die Feedback- Veranstaltungen des zentral organisierenden KUF und zahlreiche andere Veranstaltungen rund um „Anne Frank in Nürnberg“, sowie die Erinnerung an Anne selbst ermutigen uns peer guides des MGN zum Einsatz für Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie.

In Annes Worten: „Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern.“ (Anne Frank, 26. März 1944)