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Exkursion der 9. Jahrgangsstufe zur KZ-Gedenkstätte Dachau

Von Maleen Hartenstein (9c)

In winterlicher Kälte besuchten am Mittwoch, dem 20. Februar 2013, die 9. Klassen mit Frau Dr. Switalski, Frau Dr. Kirchner-Feyerabend und sechs Referendarinnen und Referendaren die KZ-Gedenkstätte Dachau, um sich auf dem Appellplatz, in den Baracken, dem Krematorium und nicht zuletzt in der Ausstellung ein Bild von der menschenverachtenden Rassenideologie der Nationalsozialisten im so genannten „Muster-KZ“ zu machen. In der Ausstellung, die den Weg der Häftlinge ins Lager, im Lager und in den Tod bzw. die Befreiung verfolgte, fanden wir auch eine Nachricht über den Tod des ehemaligen Melanchthon-Schülers, Rudolf Benario. Zusammen mit Arthur Kahn und Ernst Goldmann wurde der promovierte Volkswirtschaftler und Kommunist eines der ersten Opfer des KZ Dachau. Am Abend des 12. April 1933 ließ der Kompanieführer Steinbrenner die drei jüdischen Häftlinge antreten und verschwand mit ihnen in Richtung Schießplatz. Kurz darauf hörten Zeugen Schüsse und Schreie. Noch an Ort und Stelle erlagen Goldmann, Kahn und Benario ihren Verletzungen. Offiziell wurden sie auf Geheiß des Lagerkommandanten Himmler „auf der Flucht erschossen“. Rudolf Benario, geboren am 20.9.1908 war als Sohn des Handelsschuldozenten Benario in der vierten und fünften Klasse von 1921 bis 1923 Schüler des Alten Gymnasiums, bevor er nach Fürth wechselte.

Nachdem wir uns klassenweise über die grausamen Foltermethoden und Quälereien der SS sowie die Bloßstellung und Missachtung der Häftlinge informiert hatten, versammelten wir uns alle in einem großen Kinosaal und wurden durch einen entsetzlichen Film über den unmenschlichen Umgang mit den Gefangenen belehrt. Dieser Film, den die Amerikaner nach der Öffnung des Lagers am 1. und 2. Mai 1945 drehten, zeigte in erschütternder Weise, unter welchen Bedingungen die Menschen leben und sterben mussten. Er dokumentiert die sadistischen Quälereien durch die SS, die medizinischen Versuche an Menschen, die Vernichtung durch Arbeit in den Außenlagern und die gequälten Kreaturen auf eindringlichste Weise. Nach einer kleinen Pause begaben wir uns weiter über den Appellplatz zu den damals vollkommen überfüllten Wohn- und Schlafräumen der Gefangenen und wurden daraufhin über die Arbeitslager in Kenntnis gesetzt. Mit bedrückter Stimmung gingen wir weiter zu den Verbrennungsöfen und besichtigten auch das Brausebad und die Gaskammer.

Wir hatten das Glück Herrn Grube als Zeitzeugen hören zu können, der uns über seine Kindheit als so genannter Halbjude in Deutschland berichtete. Er kam damals in ein jüdisches Kinderheim und musste begreifen, dass viele seiner Verwandten und Bekannten ermordet wurden. Er teilte uns mit, wie es war, die Schule nicht besuchen zu dürfen und von der ganzen Gesellschaft vollkommen ausgeschlossen zu werden. Trotzdem versucht er, aus seinen schlimmen Erfahrungen das Beste zu machen und will möglichst vielen Leuten über diese Zeit berichten und ihnen seine Meinung darüber mit auf den Weg geben. Grube kämpft als überzeugter Antifaschist und Kommunist gegen soziale Ungerechtigkeit und neofaschistische Tendenzen. Dieser erlebnisreiche und bedrückende Tag hat wahrscheinlich alle Schüler und Schülerinnen schockiert und wird uns noch eine Weile im Gedächtnis bleiben.