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Tagung der Humanistischen Gymnasien am 20. April 2024

 

„Humanistische Bildung alter Schule ist ein Herrschaftsinstrument.“ „Das humanistische Gymnasium gilt letztlich bis heute als Kaderschmiede für eine Bildungselite.“ Diese Sätze klingen wie aus Zeiten des Kulturkampfs anno 1968, stammen tatsächlich aber aus einem ZeitOnline-Artikel des Jahres 2022 (Link: https://www.zeit.de/2022/48/humanistische-bildung-kritik-philosophie/komplettansicht). Abgesehen von solchen Vorurteilen hat die reale humanistische Bildung schwer zu kämpfen, gilt sie doch gemessen an anderen gymnasialen Ausbildungsrichtungen als relativ anspruchsvoll.

Um Ideen für die Zukunftssicherung dieser traditionsreichen und einzigartigen Bildungsform zu sammeln, fand am 20. April 2024 in der Aula des MGN die zweite Tagung der Humanistischen Gymnasien in Bayern statt, die vom Arbeitskreis Humanistisches Gymnasium in Bayern e. V. und der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Humanistischen Bildung in Bayern e. V. veranstaltet wird. Nach dem letztjährigen Auftakt am Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg folgten nun aus ganz Bayern zahlreiche Freunde und Förderer der alten Sprachen – Schulleitungen, Lehrkräfte und Eltern – der Einladung nach Nürnberg.

Das Saxophonquartett der MGN-BigBand (Emma Schertlin, Julia Kuntz, Daniel Fritz und Konstantin Laufer) unter der Leitung von Jeremy Wink eröffnete den Tag. Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den Schulleiter Dr. Hermann Lind und den Vorsitzenden des Arbeitskreises Humanistisches Gymnasium, Herrn Patrick Rosenow, leistete der für die Alten Sprachen zuständige Ministerialrat Robin Pantke als Initial eine so kurzweilige wie faktengesättigte Bestandsaufnahme der Situation der humanistischen Ausbildungsrichtung in Bayern. Im Anschluss stellte Lothar Seifert kenntnisreich und humorvoll pointiert das Bildprogramm der Stuckdecke der Aula vor, in deren Zentrum das antike Parisurteil steht, bevor Prof. Michael Lobe in seinem Vortrag „Bedeutender als die Ilias? Roms Homer“ den souveränen und genialen Umgang Vergils mit seinen griechischen Vorläufertexten exemplarisch aufzeigte und am Beispiel der hochumstrittenen Schlussszene der Äneis das Aktualisierungspotential antiker Texte hervorhob.

Nach der hochkommunikativ verbrachten Mittagspause in einem griechischen Restaurant ging es in eine intensive Diskussions- und Arbeitsphase, die in Form von vier Workshops organisiert war – unter den Leitfragen: Warum gibt es Vorbehalte gegenüber dem Humanistischen Gymnasium und wie kann man diesen begegnen? (Dr. Peter Römisch und Jeremy Wink) Wie wirbt man am besten für das Humanistische Gymnasium? (Roland Jurgeleit) Wie lässt sich die Stellung des Humanistischen Gymnasiums von staatlicher Seite fördern? (Dr. Christoph Reichardt) Wie positioniert man sich sinnvoll zu den Phänomenen Digitalisierung und KI? (Dr. Christopher Diez)

Mit der Vorstellung der Ergebnisse im Plenum und einer munteren Abschlussdiskussion sprach der Leiter der Gymnasialabteilung im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Dr. Wolfgang Mutter, ein für die humanistische Bildung in Bayern durchaus hoffnungsvolles Schlusswort.

Die fruchtbare und bereits zum zweiten Mal stattfindende Tagungsreihe soll in jährlichem Turnus fortgesetzt werden.

 

Michael Lobe