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Das Hauptportal des Melanchthon-Gymnasiums

Sämtlicher figürlicher Schmuck an der Fassade des Gebäudes stammt im Modell von dem damals bekannten Münchner Bildhauer Max Heilmaier (1869 – 1923). Er war seit 1907 Professor für figürliches Modellieren an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg. Das Hauptportal ist von einem breiten Halbrundbogen mit vorspringender Rustikarahmung umgeben. Den Schlussstein dieser Rahmung bildet als Hinweis auf den Bauherrn das sehr groß dimensionierte bayerische Staatswappen, wie es von 1835 bis 1923 verwendet wurde. Als Schildhalter fungieren zwei junge Krieger in antikisierenden Lederröcken, die auf Hippokampen, Fabelwesen, die halb aus einem Pferd halb aus einem Fisch bestehen, stehen. Bekrönt wird das Wappen von der bayerischen Königskrone, als Postament fungiert ein Maskaron in Form eines Löwenkopfes als Hinweis auf den bayerischen Löwen. Der Bauherr macht hier deutlich, wer das Sagen hat.

Die fünf Disziplinen der Erziehung und Bildung

Fünf Flachreliefs, die Hinweise auf die Disziplinen der Erziehung und Bildung geben, umziehen leicht zurückversetzt die Rundung des Torbogens.

Schulfach Religion

Im Mittelfeld an höchster Stelle befindet sich eine Orans, eine Betende, in der dafür typischen Armhaltung. Diese Armhaltung, die auf die Kreuzform verweist, war v.a. in frühchristlichen Darstellungen gebräuchlich. Die unübliche kniende Position der Orans ist wohl der geringen Höhe des Wandfelds geschuldet. Sie trägt ein antikisierendes Gewand, einen Chiton mit Überwurf, dessen Ende über ihre Hüfte gelegt ist. Es handelt sich um die Personifikation der Religion, die im Hinblick auf die allgemein-menschliche Bildung den wichtigsten Platz im Reigen der Schulfächer einnimmt. Im linken oberen Zwickel ist das Auge Gottes eingepasst, im rechten die Sonne. Unter dem Auge Gottes ist eine öde Landschaft zu sehen, unter der Sonne befindet sich ein Baum mit dreiseitigen Blättern, der wohl als Lebensbaum zu verstehen ist.

Schulfach Alte Sprachen

Im für den Eintretenden rechten Wandfeld neben der Religion und dem Lebensbaum liegt eine ältere Dame, die ebenfalls mit einem Chiton mit Überwurf bekleidet ist. Sie verhüllt damit ihren Kopf, wie es sich in der Antike für eine vornehme Frau der höheren Gesellschaft gehörte. Als Attribut ist ihr eine Schriftrolle beigefügt, in ihrer rechten Hand hält sie einen Griffel. Beides deutet auf die Gelehrsamkeit hin und damit auf die Bildung durch klassische Sprachen. Die Eule im Zwickel ist das Symbol der Weisheit. Im Hintergrund befinden sich Bäume von niedrigem Wuchs, die mit vielen, prallen Pinienzapfen dicht besetzt sind. Die Zapfen der Pinie sind ein christliches Symbol für die Auferstehung und für die Unsterblichkeit. Denn die Zapfen tragen eine Vielzahl von Samen unter ihren Schuppen, die das Fortbestehen und eine weite Verbreitung der Pflanze garantieren und damit die Unsterblichkeit der klassischen Sprachen gewährleisten.

Schulfach Naturwissenschaften

Links vom Mittelfeld liegt ebenfalls eine weibliche Figur, die nur mit einer einfachen Tunika bekleidet ist. Sie trägt wallendes, offenes Haar, was sie als junge Frau kennzeichnet, aber auch als eine, die ihre sittlichen Grenzen nicht wahrt. Sie hält einen Polyeder und einen Zirkel in der Hand und stellt somit die Naturwissenschaften dar. Die Figur liegt in dichten, wuchernden Ranken mit beerenähnlichen Früchten. Es ist offensichtlich, dass die Auswahl und Symbolik der Pflanze auch hier Rückschlüsse auf die Personifikation zulassen. Beerenpflanzen werden in der christlichen Ikonographie als Symbol der Weltlust und Verlockung angesehen. Die liederliche junge, einfach gekleidete Frau, die mit Zirkel und Polyeder hantiert, würde damit also indirekt durch die ikonographische Bedeutung dieser Pflanze auf einen minderen Platz in der Rangfolge der Schulfächer verwiesen. In diesem Sinne kann man auch die Schlange, die sich im Zwickel hinter der Frau eingerollt hat, deuten. Sie gilt als ambivalentes Symbol, ist hier aber negativ zu verstehen. Sie verweist mit ihrem zur Religion gewandten Kopf auf den Sündenfall.
Dieser Wertung der Schulfächer kann man eine weitere Beobachtung hinzufügen, die dem Konflikt der Vorrangstellung der klassischen Sprachen vor den Naturwissenschaften noch mehr Nachdruck verleiht.

Schulfach Musik

Ein Knabe mit antikisierendem Kurzgewand und Riemchensandalen befindet sich im untersten Feld auf der rechten Seite unter den alten Sprachen. Er trägt den Petasos, einen Hut, den man in der Antike auf dem Land oder in freier Natur zum Schutz vor der Sonne trug. Die Figur trägt eine Lyra, die mit Riemen am linken Handgelenk befestigt ist, so aber nicht funktionieren kann, denn ein freies Schwingen der Saiten ist nicht möglich. Sie personifiziert das Unterrichtsfach Musik. Im Hintergrund ist ein Eichenbaum als Symbol für die Beständigkeit eingefügt, dessen Stamm in der christlichen Symbolik als Material gilt, das nicht verwittert. Mehrere Tiere sind um die Figur gruppiert. Sie fungieren als Anspielung auf den Orpheus-Mythos: Die Bäume neigen sich Orpheus zu, wenn er spielt und die wilden Tiere scharen sich friedlich um ihn.

Schulfach Turnen

Als Gegenstück zur Musik ist die Leibeserziehung oder das Turnen in das Bildprogramm des Portals aufgenommen. Es befindet sich auf der linken Seite unter dem Schulfach Naturwissenschaften. Dargestellt ist ein junger Mann mit dem schon erwähnten Petasos auf dem Kopf. Er hält einen langen Stock in den Händen, der wahrscheinlich zum Springen verwendet werden sollte. Den Hintergrund bilden Weinranken mit Trauben. Im Blattwerk tummeln sich Tiere, vor allem Eichhörnchen. Die Platzierung der Personifikation des Turnens weist sie eindeutig als minderes Schulfach aus, da die sportliche Betätigung in der humanistischen Erziehung zwar als physisch notwendig, nicht aber als bildungsrelevant angesehen wurde.