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Das Schulgebäude geplant vom Architekt Ludwig Ullmann (1872-1943)

Aufgrund der ständig wachsenden Einwohnerzahl Nürnbergs und damit steigenden Schülerzahlen herrschte am Alten Gymnasium am Egidienberg seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine eklatante Raumnot.  Im Jahr 1908 schließlich wurde ein Neubau für das Alte humanistische Gymnasium vom Bayerischen Staat genehmigt.
Bereits seit dem Jahr 1905 war die Stadt Eigentümer der sich seit 100 Jahren in Familienbesitz der Familie Merkel befindlichen Grundstücke. Auf ihnen standen die barocken Gebäude des sog. Merkelschen Anwesens.
Die barocken Gebäude mussten dem Neubau weichen. Nur die Stuckdecke hielt man für so hochwertig und von „historischem Wert“, dass sie abgenommen und für eine weitere Verwendung im neu zu erbauenden Gymnasium eingelagert wurde. 
Einen vereinfachten und schlichten Neobarock wählte Ullmann auch für den Bau des Melanchthon-Gymnasiums. Einfluss auf die Stilwahl könnte auch der barocke Vorgängerbau der Schule, das Merkelsche Anwesen, gehabt haben. Darüber hinaus finden sich am Gebäude neoklassizistische und Jugendstilelemente, die wesentlich moderner sind und auf einen Stilwechsel auch in der Behördenarchitektur hinweisen.

Die Sternwarte am Schulgebäude war eine Weiterentwicklung der in Nürnberg bei Schulen gebräuchlichen „Ventilationstürme“,  mit denen die Klassenzimmerbelüftung geregelt wurde. Ein solcher Ventilationsturm befand sich bis zum Jahr 1945 auch auf dem zweiten Risalit der Schule in der Merkelsgasse. Die Melanchthon-Sternwarte war mit einem umlaufenden Zahnkranz versehen, der es möglich machte, die Kuppel mit einer Handkurbel einen Spalt zu öffnen und das Dach zu drehen. Im Jahr 1916 wurde im Innenraum ein achteckiges Podium errichtet, auf dem das Teleskop stehen sollte. Dieses wurde im Juni 1916 genehmigt und erworben.
Sternwarte und Wölfin setzen auf dem Dach des Flügelbaus an der Sulzbacher Straße zwei nachdrückliche und gleichberechtigte Akzente. Die „Alma Lupa“, deren Zitzen prall gefüllt sind, steht für die Schule, die ihre Knaben mit dem rechten Wissen und Bildung nährt. Eben diese Zitzen hielt man übrigens 1911 in einem Artikel des Fränkischen Kuriers für einen „unästhetischen Anblick und pädagogisch bedenklich“.