Inszenierung 2024 - Euripides: Die Bakchen
„Denn diese Stadt muss lernen! Sie muss lernen, frei und ohne Zwang zu sein, lebenswert leben zu lassen. Sie muss lernen!“ - Mit diesem pädagogischen Programm kommt der Gott Dionysos zurück in seine Heimatstadt Theben. Die Mittel, die er für die Erziehung von Zwanglosigkeit und Freiheit verwendet, verweisen aber von Anfang an auf seinen blutigen Rachefeldzug gegen den autokratischen Herrscher Pentheus, der über seinen Widersacher Fake News verbreiten ließ. Dies will der Gott des Rausches, der Exktase, des Theaters und der Verwandlung nicht auf sich beruhen lassen.
Premiere: 14.03.2024, 19:30 Uhr im Theater Pfütze
„Denn diese Stadt muss lernen! Sie muss lernen, frei und ohne Zwang zu sein, lebenswert leben zu lassen. Sie muss lernen!“ - Mit diesem pädagogischen Programm kommt der Gott Dionysos zurück in seine Heimatstadt Theben. Die Mittel, die er für die Erziehung von Zwanglosigkeit und Freiheit verwendet, verweisen aber von Anfang an auf seinen blutigen Rachefeldzug gegen den autokratischen Herrscher Pentheus, der über seinen Widersacher Fake News verbreiten ließ. Dies will der Gott des Rausches, der Exktase, des Theaters und der Verwandlung nicht auf sich beruhen lassen.
Die Tragödie „Die Bakchen“ von Euripides handelt von der Konfrontation des auf Ordnung beharrenden Despots Pentheus, König von Theben, und seines göttlichen Widersachers, des auf Rausch und Freiheit bedachten Dionysos, Gott des Weines und des Theaters. Dieser Gegensatz greift jedoch zu kurz: Dionysos, als Sohn des Zeus und der sterblichen Semele geboren in Theben, kommt aus der Fremde zurück, um sich an dem Verursacher der Schmähreden gegen ihn zu rächen. Es wird behauptet, dass seine Mutter die Affäre mit Zeus nur inszeniert habe, um zu vertuschen, dass sie außerehelichen Verkehr gehabt habe. Doch auch bei den Göttern sorgt dieser One-Night-Stand von Zeus für Ärger. Die Eifersucht der Ehegattin Hera vernichtet Semele, der Ungeborene wird von Zeus im Oberschenkel im letzten Monat ausgetragen.
Gründe genug, einen unaufhaltsamen Sieg des Geschmähten vorzuführen. Dionysos entführt die Frauen von Theben, auch die Mutter des Königs, um sie in eine rasende Bakchantin zu verwandeln, die mit bloßen Händen Stiere zerfleischen. Agaue ist es dann auch, die ihren Sohn - im Wahn für ein Berglöwen haltend - tötet. Das allmähliche Erwachen aus der Verblendung bildet das Ende des Dramas.
Das Drama ist bestimmt von der Auseinandersetzung mit seinem Widersacher Pentheus, der den Dionysoskult unterbinden will und darum eine Anzahl von Bakchen bereits eingesperrt hat. Es gelingt ihm sogar, den in Menschengestalt erschienenen Gott einzusperren, doch dieser verleitet ihn - durch sich selbst wundersam befreit - dazu, Frauenkleider anzuziehen und vom Wipfel einer Fichte aus dem vermeintlich geheimnisvollen Treiben der Bakchen zuzusehen. Pentheus wird entdeckt und zerfleischt. Die Mutter trägt das Haupt des Sohnes triumphierend nach Theben.
Dionysos ist ein zweideutiger, ein maskierter Gott, der Gott der Epiphanie, der sich als der verborgene Gott enthüllt: Er ist zur gleichen Zeit anwesend und abwesend, nahe und fern. Verderben bringt der Gott, der souveräne Meister über Schein und Sein - und darin wahrhaft auch Theatergott).
Doch was, wenn…
… wenn nur die Mädchen aus der Stadt gelockt werden…
… wenn anstelle der Mutter die Töchter von Dionysos zum Rausch und zur Zwanglosigkeit verleitet werden…
… wenn die Töchter wohl mehr freiwillig aus den Zwänge der Gesellschaft auf ihre Weise zu fliehen veruschen…
… wenn die Familientragödie auf die Eltern-Kind-Konflikte reduziert werden…
… wenn die ganze Stadt Theben mittels Fake-News und Hate-Speech dafür sorgte, dass Dionysos aus der Fremde mit Rachegedanken zurückkommt…
… wenn die Töchter ihren Vater im Rausch ermorden…
… wenn die nachfolgende Generation aus Schmach in die Fremde gehen muss…